Ein Ausschnitt aus dem Alltag eines Betreuers:

Häger, den 28.01.14

Kurze Vorsprache im Klinikum Minden

(Johannes Wesling Klinikum Minden)

 

Als gesetzlicher Betreuer bekommt Einblick in viele Bereiche des Lebens, insbesondere auch der Behörden, Kliniken usw. Eine sich aus der Masse hervorhebende Erfahrung wurde mir heute zuteil.

 

Vor zwei Wochen machte ich einen Termin für einen Betreuten, dem gleich mehrere Zähne gezogen werden sollen, im rd. 42 km entfernt gelegenen Johannes Wesling Klinikum Minden (JWK). Ich sprach mit der Dame im Vorzimmer der Kieferchirurgieklinik im JWK. Freundlich und zuvorkommend machte sie uns einen Termin für das Vorgespräch zum Eingriff möglich, an dem ich meinen Betreuten fahren und begleiten konnte. Heute um 11 Uhr.

 

Mit dem Kenntnisstand meinen Betreuten zu einem kurzen Vorgespräch wegen seines Eingriffs nach Minden zu fahren begann ich diesen Einsatz, als ich um 9:30 Uhr losfuhr und den Betreuten abholte.

 

Schönes Wetter, harmonische Fahrt durch die Heimat, alle Unterlagen dabei, Ankunft am Klinikum in Minden kurz vor 11 Uhr. Ein Parkplatz war da allerdings nicht zu finden. Wirklich alle Parkplätze, die nicht gerade für die Spezialisten der Klinikgekennzeichnet waren, waren belegt. Und das waren viele. Die Suche dauerte. Schließlich muss man sich dann irgendwann vom Fahrzeug trennen, wenn man den Termin nicht versäumen will, hinterher ist der Arzt nicht mehr da oder so. Da gab es noch diese kleine Grünanlage, hielt ich auch für einen Parkplatz, und da stellte ich den Wagen ab. Ok, nun war der Weg ins Gebäude allerdings etwas weiter geworden. Mein Betreuter war etwas geschafft, als wir im Hauptempfang des Gebäudes in die Nordtangente einbogen, denn dort war Leitstelle 7 ausgeschildert, die wir anlaufen sollten.

 

Das waren dann im Gebäude auch noch mal etliche Meter, aber egal, um 11:01 Uhr erreichten wir Leitstelle 7. An Leitstelle 7 gab es einen besetzten Patz, da standen so ca. 5 oder 6 Leute an, und einen unbesetzten Platz, da gehörten wir eigentlich hin. Da warteten wir, aber es kam niemand. Nach einer Zeit sagte die Frau am anderen Terminal, dass sie auch nicht wüsste, wann der Kollege zurück käme, und wir sollten uns doch bei ihrem Terminal anstellen. Machten wir sofort. Wir waren auch schon fast dran, nur noch eine Person vor uns, da kam die Besetzung von Terminal 2 zurück und wir konnten wechseln.

 

„Wer sind sie? Was möchten sie? Wohin solls gehen? Was haben sie uns mitgebracht?“ Ok, alles klar. Wir waren richtig. Wir waren bereits erfasst und der freundliche Mensch sagte uns „Gehen sie da um die Ecke, da finden sie einen Wartebereich, da warten Sie bitte, Sie werden aufgerufen“. Ok, er sagte allerdings nicht, wann wir aufgerufen werden würden und zu welchem Zweck, und ob noch was anderen zu erledigen sei. Wusste er ja genauso wenig wie wir.

 

Der Wartebereich war ausgeschildert als kombinierter Wartebereich für mehrere Sprech- und Behandlungszimmer zweier Bereiche. „Haben Sie bitte dafür Verständnis, dass Sie nicht in der Reihenfolge Ihres Kommens aufgerufen werden“ oder so ähnlich stand da noch. Ok, gute Info. Da kann man sich schon auf was einstellen und man hat nicht traurig zu sein.

 

Allerdings wurde dann eigentlich überhaupt niemand aufgerufen. Dann Personen, die zu der anderen Abteilung wollten. Ich habe mich dann etwas in den Flur zwischen den Sprechzimmern vorgewagt. Vielleicht sieht mich ja jemand und fragt, was ich da will, und dann hätte ich fragen können, wie lange man denn nur ungefähr warten muss, ob denn überhaupt jemand mit uns spricht und welche weiteren Schritte noch folgen könnte. Mich bemerkte aber niemand.

 

Dann kam mein Betreuter auch dazu. Nach ein paar Minuten kam eine Krankenpflegerin/Arzthelferin/Ärztin (???) vorbei und ich traute mich, sie mal anzusprechen. Sie sagte, dass es auch mal Notfälle geben könne und es dadurch zu Verzögerungen kommen könne, weil der Arzt dann verhindert sei. Die Vereinbarung eines Termins bedeute nicht, dass man dann auch dran kommt. Die genaue Zeit könne man nicht sagen, aber in 20 bis 30 Minuten sollte mein Betreuter dran sein. Und alle würden mit Hochdruck arbeiten.

 

Das war doch mal eine ebenso konkrete und wie zufrieden stellende Auskunft. Ich rechnete: „Dann das Gespräch und in 40 Minuten sind wir auf dem Rückweg.“

 

Ich nutzte die Wartezeit für ein paar Anrufe und holte den Wagen aus der Wiese und fand nun nach etwas Suchen hinter dem Gebäude einen gerade frei gewordenen Parkplatz. Jetzt den Betreuten abholen und los geht’s Richtung Heimat.

 

Wieder im Wartebereich angekommen kam mein Betreuter nach kurzer Zeit aus dem Sprechzimmer und fragte mich, wann ich ihn zur OP bringen könne. Er ging mit dem Hinweis wieder hinein und kam nach wenigen Minuten wieder zurück. Das Gespräch hatte rd. 15 Minuten gedauert. Alles klar.

 

Mein Betreuter hatte einen Stoß Papiere auf einem Klemmbrett dabei und einen kleinen Zettel auf dem stand „L4“ und darunter „L6“. Er sagte, dass er im Februar seinen Termin bekommen habe und wir jetzt noch zu Leitstelle 4 und dann zu Leitstelle 6 müssten.

 

Ok, die Nordtangente kannten wir ja schon. Vorbei an Leitstelle 5 grüßten wir im Vorbeigehen die Besatzung von Leitstelle 6, zu der wir ja zurück kehren würden, um weiter vorzudringen zu Leitstelle 4.

 

An Leitstelle 4 war leider das Terminal, an dem wir anstehen mussten, nicht besetzt. Als die Dame am anderen Terminal keinen Kunden mehr hatte, fragte ich, ob sie uns weiter helfen könne. Konnte sie aber nicht, sonst würden wir noch irgendwo landen, wo wir nicht hin sollten, meinte sie, und dass wir ruhig warten sollten, es käme schon jemand. Ok, wir warteten. Tatsächlich kam dann jemand. Hatte überhaupt nicht so lange gedauert. Der  Mitarbeiter fragte dann wieder nach den Unterlagen, wer wir sind und was wir wollen und so. Jetzt stellten wir erstmalig fest, dass ein großer verschlossener Umschlag, den der Betreute von seinem Facharzt mitgebracht und beim ersten Gespräch abgegeben hatte, nicht mehr da war. Darin enthalten sollten alle Antworten gewesen sein, zu denen man uns jetzt die Fragen stellte, und die nur ein Arzt hätte beantworten können. Auf die Frage, wo denn der Inhalt das Umschlags ein könnte, sagte man nur, dass man das auch nicht wüsste, hier wären die Unterlagen jedenfalls nicht, was in Leitstelle 7 passiert wäre, wüsste man nicht.

 

Ok, also wurden die Fragen nochmals hilfsweise so gut es ging beantwortet. Dann wurden wir weiter geschickt. Da hinten den Flur lang, dann links rum, da ist ein Wartebereich. Da bitte warten. Da findet dann ein Gespräch mit einem Narkosearzt statt. Manchmal hat ein Narkosearzt Zeit, manchmal sogar drei und manchmal keiner. Aber einfach mal warten, da kommt schon jemand, sie werden aufgerufen Wir bekamen noch so eine Fleischthekennummer mit: „23“.

 

Da warteten viele Menschen in diesem Wartebereich. Die wollten wieder zu unterschiedlichen Sprechzimmern. Wir hatten jetzt so ungefähr 12:30 Uhr.

 

Eigentlich ging das für so ein Warten mit Nummern, bekannt auch aus den Jobcentern, vergleichsweise schnell. Glücklicherweise hatten drei Ärzte Dienst. Das Gespräch ging dann wieder um die Informationen, die unterwegs abhanden gekommen waren. Ein Teil davon, war aber bereits in die EDV eingegeben worden. Eine Blutentnahme würde noch bei der stationären Aufnahme gemacht. Ok, das Gespräch dauerte 17 Minuten. Wir sollten dann unseren weiteren Weg nehmen und es müsse noch ein EKG gemacht werden. Ok.

 

Auf unserem Leitzettel stand nun ja Leitstelle 6. Wir kann wir auf die Nordtangente und nahmen Richtung auf Leitstelle 6.  Leider war Leitstelle 6 nicht besetzt. Dar stand ein Schild auf dem Terminal von Leitstelle 6: „Leider ist die Leitstelle 6 nicht besetzt. Bitte wenden Sie sich an die Station K 01“ und etwas tiefer stand noch „oder wenden Sie sich an die Station K 02“. Ja, natürlich die K 01. Wo ist die K 01. Wenn man sich richtig gut umschaute, konnte man schon die ersten Hinweisschilder auf die K 01 sehen. Gut, dass wir so ausgeschlafen sind und so gute Augen haben. Um ein paar Ecken und schon waren wir am Terminal von K 01. Die Besetzung von K 01 sah uns wirklich sehr fragend an. Wir sagten, dass wir zur Leitstelle 6 sollten und dort ein Schild stand, dass wir zur Station K 01 sollten und da wären wir nun. Auf die weitere Frage, was wir denn eigentlich dort wollten, erklärten wir, dass der Narkosearzt gesagt hätte, dass noch ein EKG gemacht werden solle. Die Damen am Terminal von K 01 sagten, dass wir bei Ihnen völlig verkehrt wären und wir müssten um die Ecke und den Flur lang in den blauen Bereich, das wäre K 02, da müssten wir hin.

 

Gut, das war leicht zu finden. Ganz blau der Bereich von K 02. Am Terminal von K 02  war grad niemand, aber schon bald kam jemand. Der war aber nicht zuständig, versprach aber sehr freundlich, dass gleich auch jemand kommen würde, der zuständig sei. Die freundliche junge Dame kam auch bald und erklärte uns ganz klar, dass wir dort falsch wären und dass wir zu K 01  müssten.

 

Gut, wir bemerkten noch eben, dass wir gerade bei K 01 waren und man uns dort nicht haben wolle, aber wir gingen wieder zurück zu K 01. Die Damen waren hoch erfreut, uns so schnell wieder zu sehen und bei mir wuchs auch langsam die Begeisterung an der Organisationsform dieses Hauses. Gut, dass mein Betreuter immer noch gut zu Fuß war. Mit vielen anderen hätte ich das überhaupt nicht durchhalten können.

 

So, nun kamen ein paar Leute zusammen, weil ich auch etwas intensiver erklärte, dass wir nun wirklich wissen wollten, wo wir denn nun als nächstes hingehen sollten. Man einigte sich darauf, dass wir ganz klar zu Leitstelle 1 müssten. Eindeutig: EKG, Leitstelle 1. Ich fragte noch, weil grad so viele Fachleute da waren, warum man uns denn wohl Leitstelle 6 aufgeschrieben habe, aber das wusste dort auch niemand. Nein. Auf jeden Fall müssten wir nun zum EKG zur Leitstelle 1.

 

Gut, zurück auf der Nordtangente bogen wir scharf nach rechts ab Richtung Leitstelle 1. Wir grüßten noch die Freunde in Leitstelle 4 und machten uns auf den Weg Richtung Hautportal und Leitstelle 1.

 

In Leitstelle 1 war das Terminal, das für uns zuständig war, tatsächlich von Anfang an besetzt als wir eintrafen. Aber die Dame hatte Ärger mit ihrer EDV. Sie sagte mehrfach hintereinander, dass sie keine Termine machen könne und niemanden eingeben könne, weil ihr Rechner abgestürzt sei. Es sei auch gerade niemand da, der ein EKG machen könne. Aber wir sollten uns mal setzen, in 20 Minuten oder einer halben Stunde könnte sie sich schon vorstellen, dass jemand zu finden sei, der ein EKG machen könne. Wir setzten uns und sahen zu, wie sich die arme Frau über ihrer Rechner ärgerte und versuchte auch die anderen Patienten zu vertrösten. So nach 15 Minuten sprach sie dann mit einer anderen Mitarbeiterin und hatte da wohl klar gemacht, dass bei meinem Betreuten ein EKG gemacht werden sollte.

 

Nach weiteren wenigen Minuten wurde mein Betreuter aus der Sitzecke abgeholt, im nächstgelegenen Behandlungszimmer wurde das EKG gemacht und fertig. Wir wollten dann hier an der Leitstelle 1 gleich unser Päckchen Papiere lassen und ab nach Hause. Aber die Frau wollte die Papiere nicht und wusste auch nicht, wo wir die hinbringen sollten. Wir sagten, dass wir morgens in Leitstelle 7 angefangen hätten. Sie meinte, dass wir da die Papiere abgeben sollten.

 

Als wir dann so die Nordtangente Richtung Leitstelle 7 schlenderten, kam uns die Erinnerung an unseren Zettel mit der Leitstelle 6, die ja vorher nicht besetzt war und wo wir in K 01 und K 02 nicht richtig waren. Weil die Leitstelle 6 auf dem Weg lag und jetzt besetzt war, wandten wir uns an die freundliche Frau dort. Die wollte auch sofort alle unsere Papiere haben und sah in der EDV, dass wir hier richtig waren. Eigentlich wollten wir jetzt fahren, aber die Frau bat uns um etwas Geduld, nachdem wir etliche Fragen zur Konfession, zu den nächsten Angehörigen und so beantwortet hatten. Wir sollten uns gerade hinsetzen, da um die Ecke, wir würden gleich aufgerufen und dann würde mit uns ein kleines Gespräch zur Pflege geführt.

 

Da mussten wir aber wirklich nicht warten, denn die Frau, die mit uns das Gespräch über die Pflege führte, wollte auch sofort nach Hause. Wir gingen in einen Extra-Raum und führten ein Gespräch über Essen und Trinken, was man so verträgt und was nicht und wann mein Betreuter kommen sollte. Sie fragte auch, ob er Pflaster tragen würde, so als ob er die dann in drei Wochen immer noch hätte. Na egal. Heute hatte er kein Pflaster.

 

Als wir das geklärt hatten, durften wir alle Unterlagen dort lassen und das Gebäude verlassen. Ich hatte in der ersten Wartezeit bereits den kürzesten Fluchtweg zum Auto durch das Untergeschoss erkundet und so gelangten wir bereits um 14:25 Uhr aus dem Klinikum und kurze Zeit später vom Gelände.  Um 15:30 lieferte ich meinen Betreuten bei sich zu Hause ab und konnte diesen Einsatz um 15:40 beenden.

 

Was waren wir froh, dass alle MitarbeiterInnen im JWK so freundlich, entgegen kommend und hilfsbereit waren, keine Ahnung, wie der Besuch dort sonst hätte ausgehen können!

 

Mit rd. 90 km und etwas mehr als 6 Stunden war das für mich auch kein alltäglicher Einsatz und mein Betreuter hat sein Zeit-Kontingent für die nächsten 2 Monate leider schon verbraucht.

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Gesetzliche Betreuungen
 

Berufsbetreuer – Was ist das eigentlich? Eine Frage, die man, wenn man sich als ein solcher vorstellt, sehr häufig hört. Aber so schwierig ist die Klärung dieser Frage nicht:
 
 

Für Personen,
 
 

-          die ihre rechtlichen Angelegenheiten,

-          die in Fragen der Gesundheitsfürsorge,

-          die bei ihren Wohnungsangelegenheiten etc.
 
 

nicht selbständig zurecht kommen, kann das Vormundschaftsgericht einen Betreuer bestellen, der ihnen dann bei den Entscheidungen und Erledigungen hilft, oder wenn nötig, sie sogar an der Stelle der Betreuten übernimmt. Dabei kann die Betreuung sich nur auf einen oder mehrere gezielt Bereiche erstrecken, oder aber auch fast alle Bereiche des Lebens abdecken.
 
 

Die Betreuung kann durch die betreute Person selbst gewünscht und angeregt werden, aber auch durch Angehörige oder Freunde. In manchen Fällen wird sie auch von Behörden vorgeschlagen, wenn es deutlich wurde, dass jemand allein nicht klar kommt.
 
 

Sind die Betreuungen mit geringem Aufwand für den Betreuer verbunden, kann das Gericht auch versuchen, einen ehrenamtlichen Betreuer zu bestellen, z.B. einen Verwandten, einen Freund oder Bekannten der betreuten Person. Bei höheren Aufwand und komplizierter Sachlage wird aber ein Berufsbetreuer bestellt.
 
 

Der Berufsbetreuer arbeitet freiberuflich. Einige habe sich in Betreuungsvereinen und Betreuungsbüros zusammengeschlossen, andere arbeiten allein.
 
 

Ich arbeite selbständig und mein Büro ist in Werther-Häger. In meiner bisherigen beruflichen Laufbahn hatte ich bereits Kontakt mit allen Personengruppen, die ich jetzt als Betreuer auch wieder antreffe, sowohl auf der Seite der Betreuten, als auch auf der Seite der Einrichtungen und Behörden, mit denen ich im Sinne meiner Betreuten zusammenarbeite. Das macht eine gezielte und effektive Arbeit für die Klienten möglich. Als Diplom-Sozialpädagoge habe ich wohl auch das richtige, vielseitige Studium gewählt, ohne zu wissen, dass ich 20 Jahre später als Betreuer arbeiten würde.
 
 

Menschen, die ich betreuen soll, sollten im Einzugsbereich der Amtsgerichte Halle, Herford, Bünde, oder Osnabrück wohnen, weil sonst die Fahrten im Rahmen der Tätigkeit zu aufwendig werden.
 
 

Wer Fragen zur Betreuung hat, kann sich gern an mich wenden. Zur Zeit kann ich aus dem genannten Bereich noch Betreuungen oder Vormundschaften übernehmen. Ich berate Sie gern unverbindlich, auch wenn daraus keine vom Gericht veranlasste Betreuung wird.